Warum ich kein Atheist bin

Atheisten glauben nicht an Gott. Sie bleiben privat für sich – das ist der weitaus größte Teil – oder bilden ihrem Unglauben entsprechende Gesellschaften. Sie veröffentlichen Manifeste und Kampfschriften, lassen Busse mit glaubensfeindlichen Parolen herumfahren. Dabei sind sie sich offenbar nicht sicher, denn in den Busaufschriften ist das Wort "wahrscheinlich" zu lesen.¹

Im Internet präsentieren sich Atheisten selbstbewußt und stolz. Manche ihrer Seiten enthalten bösartige, von Haß erfüllte Beiträge. Einige der nicht an Gott Glaubenden, die ich kenne, bezeichnen die Bibel als "grausam" und "verlogen" (oder, weniger aggressiv, als "Märchenbuch"), teils auch als "jugendgefährdend"² und fordern, daß sie verboten wird.

Unter Physikern, zu denen ich gehöre, sowie Mathematikern und Ingenieuren gibt es verhältnismäßig viele Atheisten. Über den Ursprung der Naturgesetze, die sie eifrig erforschen und technisch nutzen, machen sie sich wenig bis gar keine Gedanken.

Gläubige Menschen erkennen in ihnen, einschließlich der von den Atheisten hervorgehobenen Evolution, das Wirken einer höheren schöpferischen Macht, die sie Gott nennen. Er ist uns Menschen schwer beschreibbar überlegen; nur einen kleinen Teil seines Wesens können wir erahnen.³ Seit uralter Zeit und in den verschiedensten Völkern macht man sich davon eigene Vorstellungen. In wie weit sie jeweils zutreffen, ist ungewiß.

Beim Nachdenken über Gott verwenden Gläubige nicht nur ihren Verstand. Gefühle wie Bewunderung und Dankbarkeit spielen bei ihnen ebenfalls eine Rolle. Wunder halten sie für möglich, Geheimnisvolles stößt sie nicht ab; sie sehen und akzeptieren Grenzen. Für viele ist das, was Atheisten bei Fragen des Weltalls mit großen Anstrengungen und hohem Zeit- und Kostenaufwand zu erforschen suchen, von geringem Interesse.

Gott, so wird geglaubt, erteilt den Menschen Gebote und Verbote. Sie sind für das friedliche Zusammenleben von großem Wert.⁴ In Notlagen und gegen Ende ihres Lebens hoffen Gläubige⁵ auf Gottes Hilfe und Erlösung. Demut und Ergebung sind ihnen nicht fremd. Zur Nächsten- und selbst zur Feindesliebe aufgefordert,⁶ bemühen sie sich bei Streitigkeiten um Versöhnung. Atheisten denken, reden und handeln von Grund auf anders.

Ungewöhnlich
Aus Trotz fing ich einst an zu glauben
wegen der geistlich Blinden und Tauben,
die lästern, verleumden und hassen.
Ihnen das Feld überlassen -
das will ich nicht, und das kann ich nicht,
weil vieles dagegen spricht.
Es gibt Menschen, die sich trotzig vom Glauben abwenden. Bei mir war es umgekehrt: ich wandte mich ihm zu, und mein Trotz galt nicht ihm. Durch den Glauben erfuhr ich Neues, Gutes und Schönes, für das ich dankbar bin. Nicht jeder kennt und versteht es.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Christen_und_Kirchen_in_der_DDR
[2] https://www.politische-bildung-brandenburg.de/publikationen/pdf/potsdam.pdf insbes. Seiten 35-40 und 51-58

Zum Abschluß zwei Zitate:
"Glücklich zu preisen ist, wer nicht dem Rat gottloser Menschen folgt, wer nicht denselben Weg geht wie jene, die Gott ablehnen, wer keinen Umgang mit den Spöttern pflegt."
(Anfang von Psalm 1, Neue Genfer Bibelübersetzung)
"Quos deus vult perdere prius dementat."⁷

Anmerkung 1: Atheisten reden und schreiben nichts (oder nicht viel) über den Tod. Sie fordern dazu auf, "das Leben zu genießen". Was danach kommt, interessiert sie nicht. Im christlichen Glaubensbekenntnis dagegen werden die Toten gleich dreimal genannt, und zwar im Zusammenhang mit Gericht, Vergebung und Auferstehung. Diese Begriffe/Aussichten sind für Atheisten ohne Bedeutung. Ich halte das für eine eingeschränkte Denkweise, d. h. eine solche, die Bestimmtes, woran Millionen Menschen glauben, nicht wenigstens als möglich in Betracht zieht.

Anmerkung 2: Als Christen stehen wir zwischen zwei Fronten: den Atheisten einerseits und den Anhängern einer Religion ebenfalls orientalischen Ursprungs andererseits. Diesen widmet sich der Blog-Artikel "... Ein Gott, der es Dir einfach macht". Er enthält bittere Wahrheiten. Die in ihm analysierten Gläubigen bezeichnen uns als "Ungläubige". Ihren Glauben zu verlassen und einen anderen anzunehmen, gilt bei ihnen als todeswürdiges Verbrechen.

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¹ "There is probably no God" (Hervorhebung von mir; s. a. hier)
² ein alter Vorwurf, der schon in der Antike gegen den griechischen Weisen Sokrates erhoben wurde
³ Auch in den Wissenschaften gibt es manches, das sich nicht verstehen/erklären läßt.
⁴ Oftmals werden sie nicht eingehalten. Näheres hierzu s. im Anhang zu dieser Seite.
⁵ genauer: Christen; über andere Religionen weiß ich zu wenig
Mk12,28-31 (Was ist das wichtigste Gebot?)   Mt5,43ff (Vergeltung durch Liebe)
  Lk23,34 ("Vater, vergib ihnen, ...")   1Kor13,4ff (Eigenschaften der Liebe)
⁷ "Die Gott vernichten will, verblendet er vorher." - römisches Sprichwort, viel im Internet
  (andere Übersetzung: schlägt sie mit Blindheit⁸, macht sie verrückt)  
⁸ Karl Marx*) über Bonaparte (Napoléon III).
    *) Lustiges über seinen nachgemachten Kopf ("Nischel") hier und hier

Weitere Weblinks:
"Die Ursachen von Atheismus – Wissenschaftler haben vier Typen von Atheisten benannt."
"Man Glaubt Es Nicht" – gereizte, atheistische Stellungnahme mit neuem Gegenwort: "Religionisten"
"Christentum wichtiger als Marxismus"
Ausführliches zum Atheismus mit Rückblicken auf den östlichen Teil Deutschlands
"Atheisten-Trend in den USA: singen und preisen ohne Gott"
"Kirche ohne Gott: Atheisten-Happening in London"
"Atheismus – Immer wieder sonntags"
Neuer Feiertag für humanistisch eingestellte Berliner Schüler Interessant hierbei der Satz: "Die Bewertung des Welthumanistentags als religiösen Feiertag hatte der Humanistische Verband Deutschlands/Berlin-Brandenburg beantragt." (Kursive Hervorhebung von mir.)
Freispruch für Gotteslästerer – enthält Zitat eines Mordaufrufs gegen Papst Franziskus. (Voran gegangenes Gerichtsurteil: "Autoaufkleber 'Papst umbringen' ist strafbar")
"Hupe, wenn du Jesus liebst!"
"Wenn wir noch Heiden wären, ..."

Ein Video mit einer regelrechten, wie ich sie nenne, Teufelsmusik. (Der Titel des Stücks deutet selber darauf hin.) Die Bewegungen und Mimik des halbnackten, Hörner tragenden Gitarristen finde ich, besonders bei ausgeschaltetem Ton, albern und lächerlich und die Verwandlung der Zuhörer in eine fremdgesteuerte, rhythmisch wabernde Menschenmasse erschreckend. Über das Stück, seine Verbreitung und Wirkung s. hier (engl.) und über "satanische" Musik hier.

Nachtrag zum Video: Auf keiner "Autobahn zur Hölle" bewegt sich die Band U2, ganz im Gegenteil! Ihre Musik kann ich nicht beurteilen (und liebe sie nicht); aber mich beeindruckt das soziale und politische Engagement der Gruppe und ihres Frontsängers Bono.9 – "U2" ist vermutlich eine Abkürzung für "You too" und bedeutet "du auch" oder "auch du", um bei den Zuhörern Betroffenheit zu bewirken. Die Band ist nicht ausgesprochen christlich, doch enthalten viele ihrer Lieder Anklänge an die Bibel, vgl. hier.

9 Zitat aus www.atu2.com/: "Bono held up a solidarity flag at the start of 'New Year’s Day', which is both a nod to the past and to the future. That song was written about Polish solidarity10, and throughout the night Bono was encouraging European solidarity. At the start of 'Mothers Of the Disappeared', Bono appealed to Turkey’s President Recep Tayyip Erdogan to stop the human rights abuses. The human rights message continued in 'Miss Sarajevo' as articles from the German Basic Law scrolled on the screen about human dignity. Bono thanked the German people for 'neighborliness' before 'One'. He asked for a German translation, and when he heard 'nachbarschaft', he couldn’t pronounce it and said that it was a very nice word. Before 'Ultraviolet', the audience sang 'Happy Birthday' to Malala Yousafzai11, who turned 20 today."
10 "Solidarnosc"
11 jüngste Friedensnobelpreisträgerin (mit 17!)

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