Über zwei menschliche Schwächen

Viele Menschen haben keine Lust, sich anzustrengen und zu arbeiten. Sie möchten sich lieber bedienen lassen und ein angenehmes Leben führen. Diese Einstellung führte im Laufe der Geschichte zu verschiedenen Erscheinungen: es gab Könige, die für den eigenen, übertriebenen Luxus ihre Untertanen rücksichtslos ausbeuteten, aber auch Fürsten, Gutsbesitzer und andere, die Gewalt über ihre Mitmenschen ausübten und das Gleiche taten, nur um selber nicht arbeiten zu müssen. Im antiken Griechenland galt es für den Gebildeten als unter seiner Würde, ein Handwerk oder sonst eine nützliche Tätigkeit auszuüben; dafür waren die Sklaven da. In heutiger Zeit gibt es Menschen, die sich ihren Lebensunterhalt von der Allgemeinheit schenken lassen, die es ablehnen zu arbeiten und diejenigen, die es tun, auch noch auslachen. Solche asozial Eingestellten kannte ich persönlich. Zwar sind von denen, die nicht arbeiten, die meisten daran nicht schuld, denn es mangelt zu sehr an Arbeitsstellen; aber die anfangs aufgestellte Behauptung, daß der Mensch oft nur ungern arbeitet, wenn es andere für ihn tun, ist sicherlich nicht falsch und übertrieben.

Außerdem ist der Mensch ein Geschlechtswesen. Die Natur hat es so eingerichtet, daß das Zeugen von Nachkommen von angenehmen Gefühlen und Reaktionen begleitet wird, um einen Anreiz für das In-die-Welt-Setzen von Kindern zu schaffen. Ihre Aufzucht ist nicht immer einfach und verlangt Opfer, die nicht jeder bringen möchte. (Daß Kinder auch Freude bereiten, steht auf einem anderen Blatt. Viele wissen das nicht, können nach eigenem Bekunden Kinder nicht leiden, weil sie schmutzig und frech sind und Krach machen und sie einen angeblich in der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit behindern.) Deshalb wich man bereits in den älteren (Hoch)kulturen in die Homosexualität aus, bei der keine Kinder entstehen können. Bei ihr ist es vielfach bis heute geblieben. Sie wird gelobt und öffentlich propagiert. Inzwischen gibt es ziemlich sichere Verhütungsmittel, so daß auch heterosexuelle Aktivitäten mit wechselnden Partner(inne)n sehr verbreitet sind. "Sex" ist das große Schlagwort. Sex bereitet "Fun", und man denkt sich nicht viel dabei. Kommt es doch zu einer ungewollten Schwangerschaft, sind es nicht selten die Männer, die die betroffenen Frauen dazu drängen, das Kind in ihrem Leib töten zu lassen. Auf diese Weise verlieren jährlich Millionen Menschen ihr Leben, ehe sie überhaupt zur Welt gekommen sind.

Das Bestreben, möglichst wenig oder am besten gar nicht zu arbeiten und sich möglichst viel zu vergnügen sowie die Unfähigkeit, sexuell bedingte Leidenschaften zu zügeln und unter Kontrolle zu halten, führen zu großen Schäden und Leiden. Diese werden von denen, die hier gemeint sind, nicht gesehen oder bestritten. Ihr Verhalten stellen sie etwas Normales, Erstrebenswertes hin. Gibt man zum Beipiel im Internet bei einer Suchmaschine den Satz "Homosexualität ist unnatürlich" ein, so wird er in zahlreichen Artikeln zurückgewiesen: wütend, ironisch, zum Teil mit abstrusen "wissenschftlichen" Argumenten aus dem Tierreich. Hierbei wird übersehen, daß wir Menschen keine Tiere sind und nicht nur instinktgesteuert handeln. Es mag sein, daß Tiere keinen Willen entwickeln können, Schädliches und Unsinniges zu vermeiden – wir Menschen sind dazu in der Lage. Dieser Wille setzt Pflichtgefühl, Verzicht und einiges andere voraus, das die "Fun"- und Genußmenschen nicht wollen und es strikt ablehnen.

Mit diesen Erscheinungen haben unter anderem die Kirchen zu tun. Dabei hält sich die Evangelische Kirche mit Kritik auffallend zurück und segnet in Einzelfällen sogar homosexuelle Paare, die ein eheähnliches Verhältnis eingehen. Die Sucht, sich um jeden Preis zu amüsieren und das Leben voll auszukosten, ohne Rücksicht auf mögliche negative Folgen, wird von ihr nicht allzu oft, sondern eher selten und nur verhalten kritisiert. Dabei ist die Bibel, die ja die Grundlage der kirchlichen Lehre ist, voll von Aufrufen, eigenes unmoralisches Leben zu beenden und "umzukehren".

Anders die Katholische Kirche. Sie verurteilt das zügellose Sichgehenlassen auf sexuellem Gebiet, gleich welcher Form. Sie verurteilt den Ehebruch und nennt Abtreibung Mord. Sie fordert dazu auf, sich zusammenzunehmen, sich zu beherrschen und nicht allen biologisch bedingten Trieben hemmungslos zu folgen. Wir sollen über unser Tun nachdenken, ob es gut oder schlecht ist, und entsprechend handeln. Was zu vermeiden ist, steht in der Bibel; da kann man es selber nachlesen. Außerdem kann man sich mit anderen verständigen, wenn man in Einzelheiten unsicher ist. Gewiß sind Selbstüberwindung und Verzicht keine einfache Sache, aber allem nachzugeben, ist auf die Dauer für einen selbst schädlich. Es führt nicht zum Glück und zu innerem Frieden, von körperlichen, gefährlichen, zum Teil sogar tödlich ausgehenden Krankheiten ganz zu schweigen.

Die Opponenten gegen die Morallehren der Katholischen Kirche sind darüber aufgebracht, daß der neue Papst, ebenso wie sein verstorbener Vorgänger, ihnen nicht entgegenkommt. Sie verlangen, oftmals ohne selber an Gott zu glauben und von dem Wunsch erfüllt zu sein, Ihm zu gehorchen und zu dienen, daß die Katholische Kirche sich "öffnet", daß sie "moderner" wird und "mehr Schwung" in sie kommt. Andernfalls, so prophezeien sie, wird sie immer unpopulärer werden und bald ganz zugrundegehen. Wegen der mehrere Millionen Menschen umfassenden Pilgerschar und des großen öffentlichen Interesses im Zusammenhang mit dem Tod des letzten Papstes und der Wahl des jetzigen sieht es nicht danach aus. Zwar gibt es weiterhin die alten Gegner, von denen manche den neuen Papst, als er noch Theologieprofessor war, bei seinen Vorlesungen attackierten und niederbrüllten; aber sie scheinen in der Minderheit zu sein. Interessant ist dabei auch noch zu bemerken, daß der Neue mit seiner Strenge und Konsequenz – verbunden mit Bescheidenheit und Freundlichkeit – gerade in der Jugend großen Anklang findet.

Wir werden sehen, wie es weitergeht. Siegt am Ende doch der trieborientierte, gedankenlose Egoismus, der sich um kein göttliches Gebot kümmert und allen Ermahnungen Widerstand entgegensetzt (oder sie ignoriert), dann wird es mit unserem Volk, unserer "Gesellschaft", früher oder später bergab gehen. So geschah es mit antiken Gesellschaften insgesamt und mit zügellosen Schichten in ihnen, die alle mit dem Wort "dekadent" zu beschreiben waren; dieses Wort kommt aus dem Lateinischen und hängt mit "fallen" zusammen. Siegt dagegen eine, in meinen Augen wünschenswerte Zurückhaltung auf manchen Gebieten, die auf klarer Einsicht und einem festen Willen beruht; kommt eine Rückbesinnung auf die vielgenannten "Werte" zustande, dann haben wir selber, unsere Kinder und Enkel eine Chance zum friedvollen, nicht allzu entbehrungsreichen Überleben.

Wir säen und werden auch ernten,
denn Denken und Tun tragen Frucht.
Und wo wir von Gott uns entfernten,
ist manches verdorben, verflucht.

Verdorben wurde der Freiheitsgedanke1; verflucht ist ein Leben in Neid und Hass und voll anderer böser Leidenschaften, die eigenes und fremdes Unglück zur Folge haben.

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1 durch den Missbrauch der Meinungsfreiheit bei anarchistischen und fremdenfeindlichen Zusammenrottungen und Aktionen linker und rechter Fanatiker; privat durch übertriebenes Streben nach Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung; extremes Beispiel: die Tötung Ungeborener nach dem Grundsatz: Mein Bauch gehört mir!
(Dazu "Gedanken vor dem Schwangerschaftsabbruch": ein Durcheinander von Gefühlen, Vorurteilen und seelischer Verwirrtheit, darunter die Furcht vor dem, was andere denken und sagen, d. h. das genaue Gegenteil von Selbstbestimmung. Schwach auch das Verhalten des "Freundes" der schwangeren Frau. Kein Gedanke an Heirat, an die Gründung einer stabilen, harmonischen Gemeinschaft zu dritt. Das im Entstehen begriffende Kind wird nur als "Zellhaufen" gesehen und am Ende vernichtet.2 Die traurige Geschichte, leider keine Seltenheit, steht auf einer feministischen Seite. Der Feminismus scheint von der natürlichen Aufgabe und Bestimmung der Frau nicht sonderlich viel zu halten. Ich meine: werden sie nicht genügend anerkannt und gewürdigt, hat das langfristig negative Auswirkungen auf die Lebensumstände eines Volkes, wie man sich leicht selber überlegen kann.)
2 Ungeborene im Mutterleib werden von Abtreibungsbefürwortern auch als "Schwangerschaftsgewebe" bezeichnet, um das Wort "Kind" zu vermeiden, vgl. z. B. hier: [1],  [2] (Vorsicht mit den schrecklichen Bildern, zu denen verlinkt wird!),  [3]  [4]

Ergänzung Februar 2018: Der Grundsatzkonflikt zwischen Abtreibungsgegnern und -befürwortern bricht wieder auf.

Anmerkung zu der obigen ersten Verszeile: sie steht sprachlich in Verbindung mit "Récoltes et Semailles" von Alexander Grothendieck. ("Ernte und Aussaat", also in umgekehrter Reihenfolge als bei mir.) Das wurde mir erst später bewusst.

Nachtrag:
1. "... Viele Menschen lebten, als müssten sie niemals sterben oder aber, als wäre mit dem Tod alles zu Ende. Manche benähmen sich, als sei der Mensch der einzige Schöpfer des Schicksals, als ob Gott nicht existieren würde. Papst Benedikt wies darauf hin, dass die großen Erfolge der Technik und der Wissenschaft die Lebensumstände der Menschen verbessert hätten. Eine Lösung für die tieferen Fragen der Seele wüssten sie jedoch nicht. Nur wer bereit sei, sich dem Geheimnis Gottes zu öffnen, dem Geheimnis der Liebe, dessen Durst nach Wahrheit und Fröhlichkeit des Herzens könne gestillt werden. Denn nur die Perspektive der Ewigkeit, so der Papst, könne die menschliche Zerbrechlichkeit, das Leid und den Tod mit wahrem Sinn füllen. ..." (Radio Vatikan über die Generalaudienz von Papst Benedikt XVI in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo, August 2006)
2. Damit durch dieses Zitat und einige der vorstehenden eigenen Bemerkungen kein Mißverständnis aufkommt: ich bin kein Anhänger der katholischen Kirche. Das, was sie sich in früheren Zeiten jahrhundertelang an Verbrechen gegen die Menschlichkeit zuschulden kommen ließ, geht mir nicht aus dem Sinn. Es ist zu schrecklich. Vergleiche mit weltlichen Diktaturen verschiedener Couleur, vor allem während des zwanzigsten Jahrhunderts, die aber zum Teil immer noch fortbestehen, liegen auf der Hand. Bei der Kirche kommt erschwerend hinzu, daß sie bei ihren Untaten behauptete, sie würde im Auftrag Gottes und Jesu Christi handeln. Nach meinem Eindruck sind, von gewissen Ansätzen abgesehen, Zeichen von Einsicht in das damals Geschehene und tätiger Reue gering. Von kirchlicher Seite beider Konfessionen wird zu wenig auf das hingewiesen, was war. Man schont sich. Vieles wird verdrängt und totgeschwiegen, denn auch unter Nichtkatholiken wurden seinerzeit Menschen lebendig verbrannt.
Über mein Verhältnis zur evangelischen Kirche berichte ich hier.

Fortsetzung: eine alphabetisch geordnete Auswahl menschlicher Eigenschaften und Verhaltensweisen
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