Für die Hölle ...

... gibt es von Seiten der Kirchen keine klare, einheitliche Benennung mehr. Hieß es noch vor einigen Jahrzehnten in der evangelischen beim Glaubensbekenntnis: "... niedergefahren zur Hölle ...", so sagt man heute: "... hinabgestiegen in das Reich des Todes ..." Das erinnert sprachlich an das antike "Totenreich" zum Beispiel der Griechen und Ägypter. Auch unsere eigenen germanischen Vorfahren glaubten an eine Totenunterwelt. Von deren Namen "Hel" soll sich das Wort "Hölle" herleiten.

Den Grund für den oben genannten Wechsel kenne ich nicht. Vielleicht hängt er mit einer Bemerkung am Anfang der Wikipedia-Seite [1] zusammen: "Die Hölle ist nach traditionellen Vorstellungen des Christentums ein Ort der Qual, an welchen übeltäter nach dem Tod gelangen, bevölkert von Dämonen und dem Teufel. In modernen christlichen Glaubenslehren ist diese Vorstellung allerdings in verschiedener Weise modifiziert oder auch ganz fallen gelassen worden." Einiges über das Wesen der Hölle in der Bibel findet man auf den Internetseiten [2] und [3]. Die letztgenannte enthält interessante Leseranfragen und -kommentare. Am Ende wird in besonderer Weise auf die Wiedergeburt (Regeneratio) eingegangen. Zwei lange theologische Abhandlungen zum Thema Hölle, Totenreich, Höllenfahrt stehen hier und hier. In [4] wird erklärt, was "Höllensturz" bedeutet. – Mehr über die "christliche" Hölle in [5].

Im Mittelalter, als Menschen, um Geständnisse zu erpressen, auf die verschiedensten Weisen gequält wurden; als das öffentliche Verbrennen von "Ketzern" zu religiös verbrämten Massenveranstaltungen mit Volksfestcharakter wurde, spiegelte sich Derartiges auch in der bildenden Kunst wider, vor allem bei den Schreckensvorstellungen von der Hölle. Beispiele werden hier gezeigt. Ein berühmtes literarisches Werk aus jener Zeit, das die Hölle zum Inhalt hat, ist die "Göttliche Komödie" von Dante. (Nach ihr ist es, entgegen der landläufigen Meinung, in der Hölle nicht nur heiß, sondern stellenweise auch eiseskalt, s. 31. Gesang, Wikipedia.) Der Titel des 1968 erschienenen Romans "Der erste Kreis der Hölle" von Alexander Solschenizyn bezieht sich auf Dantes Höllenphantasie.

Wohl niemand möchte, sollte es sie wirklich geben, in die Hölle – außer vielleicht Mark Twains etwas einfältiger Huckleberry Finn, von dem in [6] (ab "Ihre Schwester, Miss Watson, ...") erzählt wird.

Selber hoffe ich, in Gottes Himmlisches Reich aufgenommen zu werden und dort, wenn möglich, verstorbene Verwandte und Freunde wiederzusehen, an denen mein Herz immer noch hängt. Falls der Tod, anders als die Kirche lehrt, einfach alles nur auslöschte, ohne himmlische Freuden und höllische Qualen, wäre ich auch damit zufrieden. Dankbar bin ich Gott, der mich und meine Familie so viele Jahre hindurch beschützt und gesegnet hat.

Die Hölle erleiden zahllose Menschen schon zu Lebzeiten: auf der Flucht, in Gefangenschaft, bei der Sklavenarbeit, im Krieg. Manche machen sich unter normalen Umständen gegenseitig das Leben zur Hölle, und bisweilen wird jemandem "die Hölle heiß gemacht". Am Zustandekommen dieser Redensart war die Kirche nicht unbeteiligt. Dies geht u. a. aus diesem Buch hervor, vgl. etwa Abschnitt 4 in der Voransicht.

  Bibel, Predigt, Internet:
 
    Wer nicht an Gott glaubt, ist "verloren",            Ein Spötter sagte 'mal: ich weiß
    so steht's geschrieben, wird gesagt,            auf Zehntelgrad genau, wie heiß
    doch muss er, hab' ich mich gefragt,            der Schwefelsee1 ist, wo man schwimmt
    tatsächlich in der Hölle schmoren?            als armer Sünder – wenn es stimmt!

   1115,2°C (Schmelzpunkt von Schwefel) - "Armer Sünder": im Mittelalter und längere Zeit danach Bezeichnung für einen zum Tode verurteilten Verbrecher, oft auch, als reuevolle Selbstanklage, in geistlichen Bekenntnisschriften und Musikwerken enthalten sowie im Namen von Bauten, Gassen und Kirchenglocken alter Städte.


Die angeblichen Höllenqualen als Druckmittel zu benutzen, ist sinnlos. Glaube kann nicht erzwungen werden, auch nicht mit Drohungen.

Die katholische Höllenlehre ist zweistufig (und unbiblisch): im "Fegefeuer", einer Art Vorhölle, erhalten die sogenannten "armen Seelen" die Chance, ewiger Verdammnis zu entkommen. Dies soll durch Gebete ihrer hinterbliebenen Verwandten und Freunde möglich sein.
Vor fünfhundert Jahren, zur Lutherzeit, wurde dafür auch Geld verlangt (Ablasshandel). Das führte neben anderem zur Kirchenspaltung in Europa mit lang anhaltenden Verfolgungen und Religionskriegen.
Die heutige Einstellung der katholischen Kirche zur Hölle spiegelt sich hier wider, Abschnitt IV: "In Todsünde sterben, ohne diese bereut zu haben und ohne die barmherzige Liebe Gottes anzunehmen, bedeutet, durch eigenen freien Entschluß für immer von ihm getrennt zu bleiben. Diesen Zustand der endgültigen Selbstausschließung aus der Gemeinschaft mit Gott und den Seligen nennt man 'Hölle'."
Weit mehr als die Jahrhunderte gültig gewesene, christliche Höllenvorstellung sagt mir die alttestamentliche zu, vgl. hier: "5Denn die Lebenden wissen, dass sie sterben werden, die Toten aber wissen nichts; sie haben auch keinen Lohn mehr, denn ihr Andenken ist vergessen. 6Ihr Lieben und ihr Hassen und ihr Eifern ist längst dahin; für immer haben sie keinen Teil mehr an allem, was unter der Sonne geschieht." Danach herrschen in der Hölle (alttestamentarisch: "Scheol") einfach nur Ruhe und Stille. Es geschieht dort nichts mehr, insbesondere auch keine (ewige) Menschenquälerei.

Hölle nicht mehr so heiß: http://www.gutenachrichten.org/ARTIKEL/gn16ma_art6.htm

Himmel und Hölle

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