Über den eigenen Glauben oder Unglauben reden und schreiben

Wenn Menschen sich in einer größeren Gesellschaft oder bei längeren Reisen mit der Bahn zufällig begegnen, reden sie selten über ihren Glauben bzw. Unglauben. Dagegen schreiben manche darüber, einige sogar ausgesprochen viel. Unter ihnen sind Gläubige wie Ungläubige1. Jahrhunderte lang äußerten sie sich in Briefen und Büchern; in unserer Zeit kam das Internet hinzu. Es wird gefragt und geantwortet, erklärt und begründet. Die Art, hierbei miteinander umzugehen, kann sehr verschieden sein: geduldig und um Sachlichkeit bemüht oder leidenschaftlich; ironisch-spöttisch, arrogant und abweisend bis hin zu bösartig und feindselig.

Extrem Beleidigendes2 enthält ein Blog, dessen Autor sehr aggressiv gegen den Glauben schreibt und ein großer Freund von copy&paste3 ist. Im Gegensatz dazu fand ich hier etwas, das ich mit Respekt und Anteilnahme las. Es stammt von einem Atheisten, der jahrelang bibelgläubig war und beinahe Pastor geworden wäre. An anderer Stelle desselben Forums, das sich früher "jesus-offline" nannte4 und jetzt "Irrfahrer" heißt, ließ ich mich auf eine Diskussion mit weiteren Glaubens-"Aussteigern" ein und solchen, die noch nie an Gott glaubten. Dabei vergaß ich leider meine Ansicht, dass sich der Glaube nicht zum Diskutieren eignet. Sie bestätigte sich dadurch, dass wir uns auch nach längerem nicht einen Schritt näher kamen.5

Texte gläubiger Menschen, jedenfalls diejenigen, die ich kenne, sind meistens in ihrer Ausdrucksweise akzeptabel bis angenehm, doch gibt es auch Ausnahmen. Der Titel eines amerikanischen Buches, von dem ich erfuhr, lautete anmaßend auf deutsch: "Steh' nicht einfach 'rum, sondern bete!"

Schlimmer ist, was mir jemand per E-Mail schrieb: "Wer die drei Fragen: 1. Woher kommt die Materie? 2. Woher kommt das Leben? 3. Warum gibt es Leben? nicht beantworten kann, ist ein Kind des Teufels, ein Lügner und Mörder, weil die Antworten nachlesbar sind."

Der Betreffende ist, wie er auf seiner Homepage schreibt, Diplommathematiker und Philosoph. Seine "wissenschaftlichen" Aussagen enthalten Unsinniges und Fehlerhaftes; ebenso ist es bei ihm auf religiösem Gebiet. Er missachtet das christliche Gebot der Nächstenliebe (von der Feindesliebe ganz zu schweigen) und das biblische Verbot, einen anderen Menschen "Idiot" zu nennen (Matthäus5,22). Selbstherrlich und voll geistlichem Hochmut scheut er sich nicht, denjenigen, die anders denken als er, mit dem Zweiten Tod (Offenbarung20,14) zu drohen.
Berührt hat mich allerdings manches, was er über seine Jugend im ehemals unfreien Teil Deutschlands in einem Buch schreibt. Man kann es hier im Internet nachlesen, unterhalb des Titelbildes, hauptsächlich in Teilen von Abschnitt 1.3 bis 1.5.
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1 Atheisten, Agnostiker
2 zum Beispiel dies: "Herrgottsakra! Der soll sich mal nicht so aufspielen, dieser beschissene heilige Geist!" und "Gott, warum bist du so ein A...?" (im Blog voll ausgeschrieben)
3 "c&p" bietet leichte Möglichkeiten zu plagiieren, d. h. Fremdes ohne Quellenangabe in eigene Texte einzubinden. Dies tut der Blogger mit zahlreichen religiösen Bildern alter Meister.
4 vielleicht programmatisch im Unterschied zu jesus-online, das es auch gibt
5 Das Argumentationsniveau der "Irrfahrer" (welch ein bezeichender Name!) war dürftig. Von Gott glaubten sie: falls er existierte, müßte er auch in ihrem Forum erscheinen, um die Lottozahlen vom nächsten Sonntag mitzuteilen. - Zu Unrecht wurde behauptet, ich würde glauben, dass sich Gott aus dem Leben heraushalten müsse, und dass er "bestenfalls mal für schönes Wetter bei einen Kirchentag sorgen" könne. - Einer der Irrfahrer meinte, dass es Jesus nichts ausgemacht habe, verspottet und bespuckt zu werden. Dass der Heiland bei den Beleidigungen und Misshandlungen, die ihm angetan wurden, schwieg, hatte andere Gründe, die ein Atheist nicht begreift. - Meine kleine gleichnishafte Geschichte mit den Wanderern wurde nicht verstanden. Während ich bei ihnen an vom christlichen Glauben abgefallene Diskussions- teilnehmer dachte, kamen diese auf die absurde Idee, ich würde die DDR und Nordkorea als Heimat betrachten.

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