Über das Geld in der Bibel und Weiteres

In der Heiligen Schrift geht es bisweilen, wie bei uns Heutigen, ums liebe oder auch schädliche Geld. Könige im Alten Testament prahlen mit ihrem Reichtum. Sie bauen sich Paläste, sammeln sich einen Harem an, leben in Saus und Braus und erheben mit übermäßiger Härte Steuern. [1][2][3]  Im Gegensatz dazu gibt es die arme Witwe, die auch noch ihre letzten beiden "Scherflein" zum Tempel bringt, um sie dort zu opfern. [4]  Eine andere Frau, so wird berichtet, hat eine Münze irgendwo im Haus verloren und sucht sie so lange, bis sie sie endlich wiederfindet. Sie ruft ihre Nachbarinnen zusammen, um sich mit ihnen über den Fund zu freuen . – Judas, einer der zwölf Jünger Jesu, erhält für seinen Verrat an ihm dreißig Silberlinge. In späterer, zu später Reue und Verzweiflung bringt er sich selber um oder, nach anderer Überlieferung, erleidet er einen schrecklichen Unfalltod.

Eine weitere Geschichte über Geld mit tödlichem Ausgang gleich zweier Personen ist die von Hananias und Saphira, die verschieden erzählt und kommentiert wird.

In der Lutherübersetzung von 1984 [5] heißt es:

1Ein Mann aber mit Namen Hananias samt seiner Frau Saphira verkaufte einen Acker, 2doch er hielt mit Wissen seiner Frau etwas von dem Geld zurück und brachte nur einen Teil und legte ihn den Aposteln zu Füßen. 3Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und etwas vom Geld für den Acker zurückbehalten hast? 4Hättest du den Acker nicht behalten können, als du ihn hattest? Und konntest du nicht auch, als er verkauft war, noch tun, was du wolltest? Warum hast du dir dies in deinem Herzen vorgenommen? Du hast nicht Menschen, sondern Gott belogen. 5Als Hananias diese Worte hörte, fiel er zu Boden und gab den Geist auf. Und es kam eine große Furcht über alle, die dies hörten. 6Da standen die jungen Männer auf und deckten ihn zu und trugen ihn hinaus und begruben ihn. 7Es begab sich nach einer Weile, etwa nach drei Stunden, da kam seine Frau herein und wusste nicht, was geschehen war. 8Aber Petrus sprach zu ihr: Sag mir, habt ihr den Acker für diesen Preis verkauft? Sie sprach: Ja, für diesen Preis. 9Petrus aber sprach zu ihr: Warum seid ihr euch denn einig geworden, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, sind vor der Tür und werden auch dich hinaustragen. 10Und sogleich fiel sie zu Boden, ihm vor die Füße, und gab den Geist auf. Da kamen die jungen Männer und fanden sie tot, trugen sie hinaus und begruben sie neben ihrem Mann. 11Und es kam eine große Furcht über die ganze Gemeinde und über alle, die das hörten.

In [6] dagegen lauten die Verse 1 und 2 in der Übersetzung "Neues Leben. Die Bibel":

1Auch ein Mann mit Namen Hananias verkaufte mit seiner Frau Saphira etwas von seinem Besitz. 2Er brachte mit Wissen seiner Frau den Aposteln einen Teil des Geldes, behauptete aber, es sei der gesamte Erlös.

Das von mir kursiv Gesetzte ist eine Unwahrheit, denn nach [5], was auf das griechische Original [7] zurück geht, sprach Hananias gar nicht, bevor er starb. Gelogen hat seine Frau; darauf gehe ich weiter unten gesondert ein.

Um zunächst nur bei den beiden Männern zu bleiben: woher wußte Petrus davon, daß das Ehepaar ihm nur einen Teil des Kauferlöses für den Acker brachte? Ohne dieses Wissen hätte er gar keinen Anlaß gehabt, Hananias so anzufahren. Gab es in der Gemeinde einen Überwachungsapparat mit Zuträgern und Spitzeln? Weiter: der Vorwurf, Hananias habe Gott belogen, ist absurd. Ihn, der alles weiß, kann man nicht belügen.1) Das dürfte jedem Gläubigen klar sein, und so nehme ich nicht an, daß der Beschuldigte es auch nur versucht hat. Und wenn überhaupt, haben Hananias und seine Frau Menschen hintergangen, eben die Glieder der Gemeinde, der sie angehörten. Außerdem sagte ja Petrus selbst zu Hananias, dieser hätte mit dem Geld machen können, was er wollte; er hätte sogar das Recht gehabt, den ganzen Betrag zu behalten. Nun gab er wenigstens einen Teil davon ab, ohne es ausdrücklich zu sagen, und das wurde ihm übel ausgelegt. Darüber regte er sich anscheinend so auf, daß er einen Herzschlag erlitt – diese Todesursache in einer solchen Situation ist leicht vorstellbar.

Was Saphira betrifft, so empfinde ich ihre Behandlung als ebenso rücksichts- und herzlos wie die ihres kurz vorher verstorbenen Mannes. Von Petrus ebenso streng befragt wie dieser, sagte sie nicht die Wahrheit – warum, weiß man nicht. Vielleicht schämte sie sich vor den anderen Gemeindemitgliedern oder log aus Furcht vor weiteren Fragen und Vorwürfen von Petrus. Daß sie Gott und den Heiligen Geist betrügen wollte, halte ich für einen ebenso unberechtigten Vorwurf wie bei Hananias. Als man ihr sagte, daß und warum er nicht mehr lebe, starb sie vor Schreck.

Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang eine für Kinder(!) gedachte Internetseite [8], die den falsch ergänzten Text [6] bekräftigt, und weiter noch folgendes bemerken:

Die Geschichte von Hananias und Saphira spielte in der Jerusalemer Urgemeinde. Der Apostel, dem Hananias sein Geld "zu Füßen legte", war allem Anschein nach derselbe Petrus, der Jesus nach dessen Festnahme "noch ehe der Hahn krähte" dreimal verleugnete. Er tat es ebenfalls aus Angst, und man kann sich fragen, warum er nicht bestraft wurde. Zwar bereute er zutiefst, was er getan hatte, und war sehr unglücklich darüber; aber eine regelrechte Strafe erhielt er nicht. Im Gegensatz dazu wird der plötzliche Tod des Ehepaars oftmals als Gottesstrafe gedeutet. Dem kann ich mich wegen des im Vergleich zum Verhalten von Petrus geringfügigen Anlasses nicht anschließen.

Petrus erinnert mich auch noch an ein Jesus zugeschriebenes Gleichnis [9], bei dem jemandem eine sehr hohe Geldschuld großzügig erlassen wird, worauf er seinen Schuldner für einen viel kleineren Betrag hartherzig ins Gefängnis stecken läßt.

In einem weiteren Gleichnis [10] wird ein Verwalter, der seinen "Herrn" in großem Stil betrügt, ebenso wie der untreu gewordene Petrus nicht nur nicht bestraft, sondern ausdrücklich für sein Fehlverhalten gelobt, wobei von Auslegern der "Herr" mit Jesus bzw. Gott identifiziert wird.

Manche Menschen glauben, daß Hananias und Saphira nicht durch Petrus ums Leben kamen, sondern von Gott getötet wurden. [11]  Daran glaube ich nicht. Nebenbei: der hebräische Name Hananias bedeutet "Gott vergibt, ist gnädig". Das wußte sicherlich auch der Apostel, und es hätte für ihn ein Anlaß zur Milde sein können.

Insgesamt bin ich unzufrieden mit dem, was über Hananias und Saphira, zum Teil falsch, geschrieben wird. Und daß diejenigen, mit denen zusammen ich die Bibel studierte, vom Schicksal der beiden unberührt blieben und kein Mitleid für sie zeigten, störte mich sehr.

Zur Schau getragene Gleichgültigkeit, regloses Hinnehmen einzelner, schlimmer Stellen in der Heiligen Schrift sind nicht untypisch für Bibelhauskreise, von denen ich mehrere kennen lernte. In ihnen kommt es vor, daß kritische Fragen und abweichende Meinungen Stirnrunzeln und Augenverdrehen zur Folge haben oder man, natürlich "liebevoll", zurechtgewiesen wird. Das alles wollen die meisten Anwesenden vermeiden. Harmonie ist angesagt. Hier offenbart sich eine weitere menschliche Schwäche im Hinblick auf die Bibel, diesmal nicht auf Seiten der Autoren, sondern bei den Lesern.

Ergänzung 1: In dem online lesbaren Buch [12], einem wissenchaftlich-theologischen Werk, wird auf den Seiten 85-90 das Vorgehen gegen Ananias und Saphira in Verbindung mit einem Gerichtsverfahren gebracht. Wenn es ein solches war, dann ging es sehr schnell vor sich. Petrus machte mit den beiden Angeklagten jeweils kurzen Prozeß. Sie hatten keinen Verteidiger und konnten sich auch selbst nicht verteidigen. Ohne Beweis wurde ihnen vorgeworfen, unter dem Einfluß des Teufels absichtlich Gott und den Heiligen Geist belogen zu haben. Sie starben noch im "Gerichtssaal" und wurden mit auffälliger Eile fortgeschafft. Niemand scheint um sie getrauert zu haben. Eine schreckliche Geschichte ist das. Religiöse Intoleranz, auch unter Christen, gab es im Laufe der Zeit immer wieder. Sie richtete großen Schaden und viel Leid an.2). - Hinweis: in dem Buch steht für Teufel griechisch σατανᾶς (Satanas) und für den Heiligen Geist πνεῦμα. Die Abkürzung Act ist englisch und bedeutet "Acts of the Apostles", Apostelgeschichte. (Es gibt sie auch schon in lateinisch geschriebenen, älteren wissenschaftlichen Abhandlungen.)

Ergänzung 2: Über Hananias und Saphira wurde von theologischen Gelehrten vieles geschrieben und gemutmaßt. Eine grundsätzliche Frage war, in welchen biblischen Rahmen die Geschichte gehört, ob sie tatsächlich stattfand oder auf frühere Motive mit wundersamem Hintergrund zurück geht. Es gibt mindestens ein älteres Werk, in dem die Tötung von Hananias und seiner Frau durch Gott ausdrücklich behauptet wird. Einen in Frakturschrift gedruckten und für das Internet digitalisierten Ausschnitt davon findet man im Anhang zusammen mit einem Link auf ein Buch unserer Zeit.

[1] 1.Könige 10,14-23
[2] 1.Samuel 8,11-17
[3] 1.Könige 12,4-14
[4] Markus12,41-44
[5] Apostelgeschichte5,1-10
[6] Apostelgeschichte5,1-2
[7] Apostelgeschichte5,1-10, griechisch-deutsch, zusammengestellt mit Hilfe dieser Internetseite
[8] In Lektion Nr. 5 heißt es, unbeholfen ins Deutsche übersetzt: "Ein Mann, Hananias, und seine Frau Saphira, brachte etwas Geld in die Kirche. Sie erzählten die Anhänger Jesu, sie brächten das ganze Geld, dass sie vom Verkauf ihrer Grundstücke bekommen. Aber sie waren nicht. Sie wurden nur bringt etwas von dem Geld, nicht alles davon. ... Hananias und Saphira wollte, wie gut und großzügig geben und sie waren zu prahlen. Sie wollten, dass alle denken, dass sie so gut waren, obwohl sie in Wirklichkeit waren es nicht."
Daß sie prahlen und sich ein besonderes Ansehen geben wollten, ist reine Unterstellung. Und noch einmal: es war ihr Geld, mit dem sie angeblich machen konnten, was sie wollten und es dann doch nicht durften.
Unwahr ist auch hier die Behauptung, daß Petrus fragte: "Hananias, sage mir, ist das die ganze Summe, die du für deinen Acker bekommen hast?" und dieser mit "Ja" antwortete. Die Szene zwischen den beiden verlief gänzlich anders, indem Petrus den Hananias gleich von Anfang an massiv beschuldigte und dieser überhaupt nicht zu Wort kam. Ganz klar mangelte es hier Petrus an christlicher Nächstenliebe, und das setzte sich wenig später bei Saphira fort. Die Geschichte hatte offenbar den Zweck der Abschreckung und Einschüchterung anderer, die davon erfuhren. (Anm.: bis heute gibt es in Kirchen und Freikirchen autoritär regierende Pastoren und Gemeindeleiter, die Gläubige gegen sich aufbringen und spalten.)
[9] Matthäus18,23-35
[10] Lukas16,1-9
[11] Vertrauen/Kontrolle - Freiraum/Verantwortung (Verband der Gemeinschaften in der Ev. Kirche Schleswig-Holstein) Hier las ich: "Sie hatten sich, so die Aussage der Schrift, vom Satan verführen lassen. ... Das Resultat ist uns bekannt. Hananias und Saphira wurden von Gott gerichtet."
[12] Rechtliche Regelung von Konflikten im frühen Christentum
1) Gott würde wissen, daß es gelogen ist.
2) Daß bei Hananias und Saphira auch anderes möglich gewesen wäre, zeigt eine in dem Buch auf S. 89 in der Fußnote 27 angedeutete Qmram-Quelle: bei bewußt falscher Besitzangabe ein Jahr Ausschluß aus der Gemeinde als Strafe; Nachweis durch zwei Zeugen.

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