Über Feindesliebe
In der Katholischen Kirche besteht seit einiger Zeit ein heftiger Streit zwischen zwei Gruppen: die eine fordert auf verschiedenen Gebieten Reformen (Abschaffung des Pflichtzölibats, Frauenordination als Priesterinnen, Laienpredigt, um vielleicht das Wichtigste zu nennen), und die andere möchte alles so beibehalten, wie es ist. Dabei kommt es in Diskussionen vor, dass Meinungsgegner "Deppen" genannt werden und ihr Anliegen als Dummheit bezeichnet wird.¹ Im Hinblick auf Matthäus 5,22 dachte ich:
Wenn Gläubige im selben Boot
sich in den Haaren liegen,²
dann hat der Teufel wenig Not
und kann sie leicht besiegen.
Die Schrift verbietet, dass man spricht:
"Ihr Narren, Deppen, ihr seid dumm!"
Und kümmert jemand sich nicht drum,
verfällt er dem Gericht.
Die Liebe, die als Christ man schuldet,
dem Feind, der anders glaubt und denkt,
bedeutet, dass man ihn erduldet
und nicht mit Worten schmäht und kränkt.³
Bisweilen hört man in anderem Zusammenhang: "dieser Idiot" (auch in der Mehrzahl), wobei den meisten nicht bekannt ist, dass wir so nicht reden sollen. (Bevor ich das wusste, machte ich selber auch diesen Fehler.)
Die Feindesliebe wird innerhalb von Jesu Bergpredigt hier thematisiert: Lukas6,27-28f.
In den Gottesdiensten geschieht das nur selten. Im Internet ragt diese katholische Seite: Lieben, auch wenn es weh tut hervor.
Darin heißt es: "Die Feindesliebe ist ein Alleinstellungsmerkmal des Christentums." und "Die Liebe zu den Feinden ist wahrscheinlich die schwerste Herausforderung im ganzen Evangelium."
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¹Auf einem KI-Link (KI=Künstliche Intelligenz), der inzwischen verschwunden ist, las ich bezüglich "Depp": "Polemik gegen Reformer oder Konservative: In Kommentarspalten von Blogs wie kat.net oder feinschwarz.net wird das Wort häufiger von Lesern in Debatten über den Synodalen Weg oder klerikale Strukturen verwendet, um die Gegenseite zu diskreditieren."
²umgangssprachliche Redewendung für eine intensive, oft wiederkehrende Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehr Personen
³Genauer: Unsere Feinde sollen wir nicht als Menschen oder Personen verachten und herabwürdigen – ihre Taten hingegen, besonders wenn sie aus Hass, Fanatismus, Zerstörungswut zum Schaden anderer geschehen, müssen/dürfen wir nicht nachsichtig hinnehmen. Mehr dazu (Mauszeiger auf grünen Punkt):
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