Ein Gott oder mehr?

Als Christen glauben wir an einen Gott. Wir glauben nicht, daß es mehrere, voneinander verschiedene Götter gibt.

Diesen einen Gott verehren wir als Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist. Sie bilden eine Einheit, die sogenannte Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit. Der Begriff kommt in der Bibel nicht vor und hat, vor allem von Seiten nicht-christlicher Religionen, zu dem Mißverständnis geführt, wir würden drei Götter anbeten.

Hierauf näher einzugehen, ist nicht das Ziel dieses Abschnitts meiner "Glaubensseite". Es geht mir vielmehr um folgendes:

Im April 2010 wurde Frau Aygül Özkan, eine Deutsche türkischer Abstammung, zur niedersächsischen Sozialministerin ernannt. Bei Ihrer Vereidigung sprach sie den Zusatz "So wahr mir Gott helfe". Er ist den zu Vereidigenden freigestellt, und nicht jeder macht von ihm Gebrauch.

Aufsehen erregte die neue Ministerin dadurch, daß sie muslimischen Glaubens ist, und manche Beobachter öffentlich fragten, welchen Gott sie bei der Eidesformel gemeint habe. War es Allah, ohne daß sie dessen Namen nannte?

Frau Özkan erklärte dazu schriftlich, sie habe an den "Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs" gedacht, also an den einen und einzigen Gott, der den drei großen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam gemeinsam ist.

Dies stieß in den christlichen Kirchen sowohl auf Widerspruch wie auf Verständnis.

So äußerte der Sprecher der hannoverschen Landeskirche, Johannes Neukirch, gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Wir Christen sehen schon einen deutlichen Unterschied zwischen unserem Gott und Allah." Von katholischer Seite sagte derselben Zeitung der Sprecher des katholischen Bistums Essen, Ulrich Lota, theologisch seien der Gott der Christen und der Gott des Islam nicht gleichzusetzen.

Ich selber kann dem nicht zustimmen. Wenn Christen nur an die Existenz eines einzigen Gottes glauben, kann es nicht plötzlich zwei Götter geben: "unseren" und "ihren". Das wäre unlogisch.

Gott steht über allem. Den Menschen ist er in seinem Wesen, Wollen und Wirken nicht vollständig faßbar und verständlich. Das sagt auch die Bibel. Von Ihm machen sich die drei genannten Religionen teils übereinstimmende, teils voneinander abweichende Vorstellungen. Nur sie können bei der Kritik an Frau Özkans Erklärung gemeint sein.

Diejenigen Kirchenvertreter, die an der Vereidigung von Frau Özkan keinen Anstoß nahmen, wiesen auf die Notwendigkeit hin, nach Gemeinsamkeiten zu suchen und nicht nach dem, was die drei Religionen trennt.1)

Wie das Verhalten der Ministerin, die auch Mitglied der CDU ist, von ihrer eigenen islamischen Glaubensgemeinschaft aufgenommen wurde, scheint nicht bekannt zu sein.

1) Quelle: www.evangelisch.de/themen/religion/kirchen-ohne-klare-haltung-zu-oezkans-amtseid16629

Nachtrag:
Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, schrieb in einem längeren theologischen Aufsatz hier (Seite 3) unter anderem: "Luther durchschaute die falsche „theologia gloriae“, die Gott in erster Linie dort erkennen will, wo es schön, gut und stark zugeht. Der christliche Gott aber ist vor allem im Kreuz zu erkennen, seine Schönheit ist die Dornenkrone, seine Güte seine Tränen, seine Stärke sein Todesschrei. Gott selbst wird Opfer der Gewalt." Abgesehen davon, dass ich insbesondere mit dem vorletzten Satz nicht einverstanden bin (weil Gott unsterblich ist und nicht getötet werden kann), gibt es auch keinen "christlichen" Gott. Für die Anhänger der drei großen monotheistischen Religionen gibt es nur GOTT. Ihn stellen sie sich lediglich verschieden vor und beten auf ihre Weise zu Ihm.

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