Über die Dreifaltigkeit

Menschen, die an der weiteren Ausgestaltung und Entwicklung bestehender Sach- und Wissensgebiete führend beteiligt sind, erfinden bisweilen neue Wörter, die mit bereits vorhandenen in Zusammenhang stehen, aber ohne zusätzliche Erklärungen nicht von jedem verstanden werden. So gibt es in der Mathematik das Kunstwort "eineindeutig", welches Laien als überflüssige, unsinnige Übertreibung erscheinen mag, und ebenso, um ein weiteres Beispiel zu nennen, den Begriff "uneigentlich". Auch er wirkt auf Außenstehende rätselhaft und befremdlich.

Im Bereich des Glaubens ist auf deutsch manchmal vom "dreieinigen" Gott die Rede. Das zugehörige Substantiv ist "Dreieinigkeit", und an seiner Stelle wird oft auch "Dreifaltigkeit" gesagt.

Mit beidem wird die untrennbare Einheit von Gott, Jesus Christus und dem Heiligen Geist bezeichnet. Ihnen gemeinsam sind Schöpferkraft, Liebe und eine das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigende Weisheit (u. a. das Wissen, was war, was ist und was sein wird), dazu die Fähigkeit zu trösten und zu vergeben, zum Glauben zu führen und ihn zu stärken. Weitere göttliche Eigenschaften wie Ewigkeit und Gerechtigkeit kommen hinzu. Alle zusammen ergaben und festigten die Begriffe "Dreieinigkeit" bzw. "Dreifaltigkeit". Vorhaltungen von Seiten anderer Religionen, Christen würden insgesamt zu drei Göttern beten, beruhen auf Mißverständnissen und gehen ins Leere.

Das lateinische Wort für die beiden genannten ist trinitas, was zunächst ganz neutral nur "Dreiheit" bedeutet, so, wie man "Zweiheit" sagen könnte, wenn ein Paar gemeint ist. Den speziell christlichen Sinn gewann trinitas erst einige Jahrhunderte nach Christi Geburt.

Im Italienischen entfiel im Laufe der Zeit das s am Ende von trinitas, und das a bekam einen Akzent. Dazu gibt es ein sehr schönes Lied aus dem 15. Jahrhundert: Alta Trinità beata. Es ist bei kleineren Kirchenchören, aber auch beim zufälligen Zusammentreffen von Menschen, die nicht regelmäßig miteinander singen, auf Tagungen u. dgl. beliebt. Hier kann man es sich instrumental anhören sowie den Text und die Noten ansehen.

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