Jesus lebt

Am Ostermorgen begrüßen sich Christen und insbesondere Kirchgänger weltweit mit "Der Herr ist auferstanden" und erwarten, dass darauf mit "Er ist wahrhaftig auferstanden" geantwortet wird. Das geschieht oft schon an der Kirchentür durch den Pastor und wird zu Beginn des Ostergottesdienstes mit der ganzen Gemeinde wiederholt. Fällt deren Antwort zu leise, zu verhalten aus, lässt sie der Pastor erneut sprechen, bisweilen mehrmals.

Dieses formelhafte Vorgehen – es ist der Ostergruß der Alten Kirche, wie ich dem Internet entnehme, und nicht biblisch – empfinde ich immer als ein bißchen peinlich. Fast wirkt es so, als wolle man beim zweiten oder dritten Male mit erhöhtem Stimmaufwand dem Pastor eine Freude machen.

Im heutigen Ostergottesdienst beruhte die Predigt auf einem Ausschnitt aus 1Kor15, Verse 12-16. Demnach gab es zu Paulus' Zeiten in mindestens einer der von ihm gegründeten christlichen Gemeinden Zweifel an der Auferstehung Christi. Und es gibt sie auch heute, sogar unter Pastoren und Theologen an den Universitäten.

Die Zweifel sind nicht unbegründet. Dass jemand, nachdem er gestorben ist, wieder lebendig wird, ist ein Wunder. Es widerspricht normaler Erfahrung und übersteigt den menschlichen Verstand.

Dennoch war zu Jesu Zeit und lange davor der Glaube an eine Auferstehung Toter nicht ungewöhnlich, vgl. z. B. Jesaja 26,16-19; Hesekiel 37,1-14 und 5-6; Daniel 12,1-2. Sehr bekannt ist die Auferweckung des Lazarus durch Jesus und weniger diejenige der Tabita durch den Apostel Petrus (V. 41).

Auch ich glaube an die Auferstehung Jesu. Ich glaube an Gott als Schöpfer, Erhalter und Regierer von Allem. Was atheistische Naturwissenschaftler über die Entstehung des Universums unter willkürlichen Annahmen und mit deutlich sichtbaren Grenzen behaupten, vgl. hier, bleibt mir fremd.

Gott ist für uns Menschen gedanklich (und erst recht physisch) unerreichbar. Manches an und von Ihm können wir nur vermuten. Um die unüberbrückbare Kluft zwischen Ihm und uns zu verringern, schuf Gott in Jesus eine Person und sandte sie zur Erde, die dort als Mensch erschien und doch mehr als ein Mensch war. Das zeigte sich schon am Beginn von Jesu irdischem Leben. Er trat nicht plötzlich aus dem Nichts als Erwachsener auf, sondern wurde unter wundersamen Umständen als Kind geboren. (Dass ich auch daran glaube, begründe ich hier.)

Vor Jesu Erscheinen auf der Erde wandte sich Gott von Zeit zu Zeit in Träumen und Visionen an einzelne Menschen, hauptsächlich die Propheten des Alten Testaments. Sie starben eines natürlichen Todes oder wurden umgebracht, und keiner von ihnen erstand wieder auf von den Toten. (Von einigen wurde es lediglich "gesagt", vgl. Lukas 9,7.) Keiner von ihnen opferte sein Leben dafür, dass anderen Menschen ihre Sünden vergeben werden.

Dies tat Jesus. Doch dabei blieb es nicht. Nach seiner Kreuzigung stieg er hinab in das Reich des Todes, das niemand wieder verlässt – nur Ihm war es möglich. Deshalb sagt man auch, dass Er "den Tod überwand". Später ging Jesus zu dem, der Ihn geschaffen und zur Erde gesandt hatte: in den Himmel, zurück zu Gott.

Nach der Auferstehung war Jesus für seine Jünger und viele andere1 körperlich als Mensch sichtbar. Man konnte mit ihm sprechen und ihn berühren, wie es der "ungläubige Thomas" tat. Jesus aß mit den Jüngern und ging mit einigen ein Stück des Weges wie vor der Kreuzigung. Wir Heutigen können mit Jesus, unserem Heiland, nur im Geiste Kontakt aufnehmen. Auf diese Weise lebt Er für uns weiter. Es gilt Sein Wort: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen."

Auch dafür bin ich ihm dankbar, bewundere und liebe ihn.

Nachtrag
Ausführlicher und genauer als das Vorstehende über das Wesen und die Bedeutung Jesu Christi war diese Predigt2 in unserer Gemeinde kurz vor dem Reformationstag 2017. Sie bot mir Anlass zu erneutem, tieferem Nachdenken über den Heiland und zur Überprüfung meines eigenen Verhältnisses zu Ihm.
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1 Paulus schreibt von fünfhundert.
2 https://kirche-rhen.de/wir/downloads?view=category&id=1, mp3-Datei zum Anhören, auf DOWNLOAD klicken

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